Auswirkungen auf Kauf, Verkauf und Finanzierung von Immobilien in Corona-Zeiten

Auswirkungen auf Kauf, Verkauf und Finanzierung von Immobilien in Corona-Zeiten
Sandra Grefe, OWL Immobilien GmbH

Wer plant, eine Wohnung, ein Haus zu kaufen oder zu verkaufen, steht aktuell vor vielen Fragen: Wie entwickeln sich die Immobilienpreise? Wie läuft eine Besichtigung? Ist ein Immobilienkauf oder -verkauf momentan überhaupt möglich und sinnvoll? Die Experten der OWL Immobilien GmbH geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Auch das Thema Finanzierung wirft gerade viele Fragen auf: Wie entwickeln sich die Bauzinsen? Was passiert, wenn aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit Darlehen nicht mehr zurückgezahlt werden können? Ist eine Zinsbindung jetzt sinnvoll? Wie Sie mit Ihrer Baufinanzierung gut durch die Corona-Zeit kommen, dazu informiert Ariane Hachmeister, Finanzierungsberaterin der Volksbank Detmold, Zweigniederlassung der VerbundVolksbank OWL eG.

Ist ein Immobilienkauf oder -verkauf derzeit sinnvoll?
Andreas Nowak:
Die Folgen der Corona-Pandemie beeinflussen derzeit unseren
Alltag und bringen manche Verunsicherung mit sich. Doch mit Blick auf den ostwestfälisch-lippischen Immobilienmarkt gibt es keinen Grund, den Traum von den eigenen vier Wänden deshalb aufzuschieben oder eine Immobilie nicht zu verkaufen. Auf die Preise und das Angebot hat das Virus bislang keine konkreten Auswirkungen. Wir nehmen die Situation aber sehr ernst und behalten die Lage im Blick. Gerade in dieser außergewöhnlichen Zeit möchten wir unsere Kunden bestmöglich bei der Suche, dem Kauf oder Verkauf einer Immobilie unterstützen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation am Immobilienmarkt ein?
Andreas Nowak:
Für Verkäufer ist die Ausgangslage zum jetzigen Zeitpunkt günstig. Am stärksten gefragt sind freistehende Immobilien in guter Lage oder innerstädtische Objekte mit guter Infrastruktur. Hier ist das Angebot nach wie vor überschaubar. Daher gehen wir davon aus, dass die Preise weiterhin stabil bleiben und das Interesse an beliebten Objekten und Grundstücken auch zukünftig groß sein wird. Wie sich die Corona-Krise langfristig auf den gesamten Immobilienmarkt auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Wie hat sich das Immobiliengeschäft aus ganz praktischer Sicht verändert?
Tobias Krumsiek:
Es zeigt sich, dass es in der aktuellen Situation umso wichtiger ist, die einzelnen Schritte in der Beratung und im Kauf- und Verkaufsprozess zu digitalisieren. Dafür bieten wir eine Reihe von kreativen Lösungen an: Der Austausch von Unterlagen und Dokumenten lässt sich bereits weitgehend digital und damit einfach und sicher erledigen. Auch die ersten Informationsunterlagen zu den Immobilien haben wir umfangreicher aufbereitet, sodass zahlreiche Details von vornherein auch ohne Vor-Ort-Termin schon erkennbar sind. Hier setzen wir beispielsweise auf Fotomaterial oder auch auf Aufnahmen mit unserer Drohne. Zudem ist die Beratung per Telefon in dieser Zeit mehr denn je gefragt.

Finden Besichtigungen weiterhin statt?
Sandra Grefe:
Besichtigungen von Immobilien, Grundstücken oder Wohnungen können weiterhin stattfinden. Wir kennen die Objekte und die Verkäufer und gehen dabei individuell auf die örtlichen Gegebenheiten ein, vereinbaren ausschließlich Einzeltermine und führen keine Gruppenbesichtigungen durch. Besichtigungen finden meistens auch ohne den Eigentümer statt. Abstand, Mundschutz und weitere hygienische Schutzmaßnahmen sind dabei selbstverständlich.

Wie erfolgt die notarielle Beurkundung der Verträge?
Alexander Baer:
Notarielle Beurkundungen und Beglaubigungen vor einem Notar können auch weiterhin – unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen – erfolgen. Wenn gefährdete Personen, etwa aus Risikogruppen, zu den Vertragsparteien gehören, dann kann auch ein Bevollmächtigter eingesetzt werden. Mittlerweile finden diese Termine auch per Videokonferenz statt, sodass auf einen direkten Kontakt sogar ganz verzichtet werden kann.

Was ist jetzt in Zeiten von Corona hinsichtlich einer neuen und einer bestehenden Baufinanzierung wichtig?
Ariane Hachmeister:
Bei neuen Baufinanzierungen ist es natürlich wichtig, in den Beratungsgesprächen mögliche Auswirkungen für die Kunden zu thematisieren. Gemeinsam können wir so abwägen, ob daraus Probleme für die Kunden und deren Baufinanzierung entstehen können. Dies einzuschätzen, ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt der Corona-Krise eine besondere Herausforderung. Bestehende Finanzierungen laufen wie vereinbart weiter. Sollte sich allerdings abzeichnen, dass Darlehensraten aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit nicht gezahlt werden können, sollten sich Kunden unbedingt rechtzeitig bei ihrer Bank melden und in einem gemeinsamen Gespräch Lösungen besprechen. Der Vorteil ist, dass wir vor Ort sind, unsere Kunden gut kennen und individuelle Lösungen anbieten können.

Wie entwickeln sich die Bauzinsen und laufen staatliche Förderungen weiter?
Ariane Hachmeister:
Aufgrund der Corona-Krise sind die Zinsen zwar etwas angestiegen, aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Wir empfehlen, sich diese niedrigen Zinsen langfristig zu sichern. Auch mit staatlichen Fördermitteln, beispielsweise mit Baukindergeld, Riesterförderungen oder KfW-Förderkrediten, dürfen Immobilienkäufer und Bauherren weiterhin rechnen. Bei der KfW Förderbank sind Anträge für die Förderprogramme im Bereich Bauen und Sanieren ohne Einschränkungen weiterhin möglich, Darlehen und Zuschüsse werden weiter ausgezahlt. Auch alle KfW-Programme bleiben für Immobilienerwerber attraktiv und sind eine gute Säule für die Finanzierung von Wohneigentum.